Höchst brisant: Lust auf Normal – Ausbruch aus dem Framing

Von der Lust, frei und konservativ zu sein / von Nicole Höchst

Als konservativer Mensch mag ich deutsche Volkslieder. Nicht nur anhören; das auch. Aber ich stehe zu meinem guten Gefühl der Zusammengehörigkeit, diesem Gänsehautgefühl der Vertonung von Heimat, Tradition, Jahrhunderten von Familiengeschichten und dem klanggewordenen Wissen um unsere gemeinsamen Wurzeln. Wer jetzt denkt, es ginge nur um die Texte, die intellektuell auf Bewusstseinsebene geteilt werden, der irrt. Noch wichtiger ist das gemeinschaftliche Vibrieren im gleichen Takt und der gleichen Melodie. Diese vergesellschaftlichten, positiven Schwingungen der Seele schaffen Gemeinschaft und machen stark.

Ich liebe dieses Gefühl, Teil einer Wertegemeinschaft zu sein mit einer solchen Strahlkraft, die Familien, Sippen und letztlich unsere Wurzeln uns und unsere Zukunft fest bindet. Ähnliches gilt auch für unsere Tänze. Gemeinschaftliches Tanzen ist etwas unglaublich Wichtiges, es ist Teil der kulturellen Identität nicht nur von indigenen Völkern. Tanzen bindet ebenso wie das gemeinschaftliche Singen und auch das Beten Körper und Geist im Hier und Jetzt an das Wunderbare einer körperlichen, seelischen und geistigen Gemeinschaft. Das Individuum ist in seiner Reinform von Körper, Seele und Geist in etwas so Großes eingebunden, dass es Generationen überdauert und in einer friedvollen Gemeinschaft abseits von Haltungen, Meinungen und alltäglichen Nickeligkeiten die Ewigkeit berühren und positive Energien freisetzen kann.

Die Größe des Individuums

Als konservativer Mensch weiß ich um diesen befreienden, ja quasi vom Alltagsmoment erlösenden Wert von Gemeinschaft in Liedgut, Tanz und Sprache. „Heimat ist dort, wo ich mich nicht erklären muss“, wusste schon Johann Gottfried von Herder. Es ist normal, dass sich Menschen in diesen Gemeinsamkeiten wiedererkennen, wohlfühlen und gemeinsame Ereignisse schaffen wollen, um diesen Gleichklang der Seelen und Körper zu erleben: Heimat. Es ist normal, dass Menschen sich seelische, geistige und körperliche Wohlfühlorte bewahren wollen.

Das fängt schon mit dem Heiligtum des eigenen Körpers an. Es ist normal, sich auszuprobieren, sich als unvollkommene körperliche, seelische und geistige Einheit zu begreifen, sich selbst trotz und mit dieser Unvollkommenheit zu lieben. Wer sich selbst liebt, respektiert und annimmt, hat die Kraft und die Offenheit, anderen mit Liebe, Respekt und Verständnis zu begegnen. In gesundem Maß und aus sich selbst heraus, nicht weil es der Zeitgeist oder ein Regierungsdogma vorgibt. Es ist normal, dass der Ort, dies zu erfahren, zu erproben und zu lernen die Familie ist. Dieser Ort bestimmt sich als komplementäre Gemeinschaft aus Mutter und Vater, Ying und Yang, und Kind oder Kindern, die mehr ist als ein loser Verbund von Menschen, die zusammenleben, sich lieben und Verantwortung füreinander übernehmen.

Es ist der Nukleus der Gesellschaft, der Ort, wo sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft tiefgreifend in Genen, in Fürsorge und in Liebe begegnen, sich in die Augen schauen und dort gespiegelt sehen. Dieses ewige Band von Körper, Geist und Seele wird grundlegend in diesen engen Beziehungen geformt und schafft der gesellschaftlichen Zukunft das Potenzial, enge Verbindungen mit ihrem eigenen Kern bestehend aus dem Licht der tief empfundenen Erkenntnis der Zugehörigkeit zu einer von großem Zusammenhalt geprägten Gemeinschaft.

Konservative spalten nicht

Der Vorwurf an Konservative, die Gesellschaft zu spalten, weil sie sich zu traditionellen Familien und damit den Säulen unserer Gesellschaft bekennen, ist pervers. Traditionelle Familien spalten die Gesellschaft nicht. Sie sind Keimzelle, Netz und doppelter Boden für ihre Kinder und damit ihre Zukunft. Sie spalten also nicht; sie verbinden, wenn man sie lässt. Es gibt leider Strömungen, die sich darin gefallen, unsere Gesellschaft bis in unsere Familien hinein entlang von Trennlinien zu spalten. Diesen Leuten ist die Bekenntnis zu einer regierungsseitig gesetzten Haltung z.B. zur Masseneinwanderung wichtiger als der gesellschaftliche und familiäre Zusammenhalt deutscher Familien, die zu „Menschen, die hier schon länger leben“ degradiert wurden. Das ist nicht nur pervers und schändlich, das ist selbstzerstörerisch.

Dass ich das Eigene liebe und großartig finde, bedeutet nicht, dass ich andere minderwertig finde oder ausschließe. Das ist eine reine Unterstellung von Menschen, die verlernt oder vergessen haben, das Eigene und vielfach auch sich selbst zu lieben. Menschen, die von der Strahlkraft unserer Freiheit und unserer Demokratie begeistert sind und sich in die Gesellschaft und unser Gefüge einklinken möchten, sind herzlich willkommen, hier Wurzeln zu schlagen und unser gemeinsames Gewebe mitzuweben.

Als Konservativer wage ich die These, dass eine Gesellschaft nur eine begrenzte Anzahl von Fremden auf einmal in ihr beständiges Netz integrieren kann, ohne ihren Zusammenhalt zu verlieren. Als freiheitliche und konservative Deutsche erhebe ich in Deutschland den Anspruch, nicht täglich mein Zusammenleben neu aushandeln zu müssen. Ich erhebe den Anspruch, dass meine Heimat nicht bis zu einem Punkt verändert wird, in dem ein gegenseitiges Wiedererkennen unmöglich wird, weil alles Gemeinsamkeitsstiftende systematisch ausgemerzt und die Gesellschaft gespalten wurde, bis das Individuum als Untertan alleine einem ausufernden, allmächtigen Staat ausgeliefert gegenübersteht, der Menschenrechte zuteilt, als seien diese nicht unveräußerlich.

Vielvölkerstaat statt Identität

Ich erhebe den Anspruch, dass „Native Germans“ nicht eines Tages gedanklich im Reservat landen, so wie dies „Native Americans“ angetan wurde. Native Germans gäbe es gar nicht, lautet die steile These von selbsternannten Antirassisten. Klar. Sonst müsste man am Ende ja noch uns Deutsche schützen vor Aussterben, Diskriminierung und Rassismus. Stattdessen läuft man lieber ungebremst auf einen konfliktgeladenen Vielvölkerstaat zu.

Wie sich diese vielen in unsere Heimat ohne Not importierten und in keinster Weise eingehegten Konflikte auswirken könnten, kann man bereits in Frankreich gut erkennen. Die älteren Semester unter uns erinnern sich vielleicht auch noch an Jugoslawien, die noch älteren an den Libanon – seinerzeit ein überwiegend christliches Land mit seiner Hauptstadt Beirut als „Paris des Nahen Ostens“. Unser Zusammenhalt, die Festung unserer Gemeinschaft wird von allen Seiten angegriffen.

Ein Beispiel ist hier das Anprangern von gelebter Normalität als Diskriminierung. So werden Menschen, die sich zum besonderen Schutz von Ehe und Familie bekennen, auch gerne als homophob usw. gebrandmarkt, was die Randerscheinung Homosexualität überhöht und zum normativen Element erhebt. Fakt ist: Auch Homosexuelle stammen aus der zumeist liebenden Verbindung von Vater und Mutter. Fakt ist auch: Homosexualität ist Teil der Normalität, die uns umgibt. Sie ist allerdings in keinster Weise ebenso staatsvolk-erhaltend, wie es die potenziell fruchtbare Ehe zwischen Mann und Frau ist.

Liebe Kritiker, kommen Sie mir jetzt nicht mit den schwulen Störchen, als Beweis, dass Homosexualität natürlich sei, aus dem sich alle Gleichstellung ableitet. Ja, sie ist natürlich – sie ist aber natürlich auch nicht fruchtbar und somit nicht staatsvolk-erhaltend. Und nein, das ist nicht „-phob“ oder „-feindlich“. Es ist einfach ein universell gültiges 2 plus 2 gleich 4, und nichts anderes. Von der Natur mag es ungerecht angelegt sein, wofür aber nun wieder der Konservative nichts kann. Als freiheitsliebender Mensch ist es für mich selbstverständlich, dass jedem unbenommen ist, zu lieben, wen er möchte und wie er möchte, sofern es unter Erwachsenen und einvernehmlich stattfindet. Ich halte allerdings generell Details aus egal welchen Verbindungen für so privat, dass ich damit nicht ungefragt belastet werden möchte.

Unterschied zwischen Natürlichkeit und Norm

Selbstverständlich steht auch außer Frage, dass gleichgeschlechtliche Paare sehr liebevoll Kinder gemeinsam großziehen können und das sicherlich auch tun. Genauso kann nicht in Abrede gestellt werden, dass es traditionelle Familien gibt, wo statt Liebe das Grauen herrscht, und es für alle Beteiligten besser ist, sich diesem nicht in alle Ewigkeit auszusetzen. Dies alles ist aber aus oben genannten Gründen nicht die Norm, die ein konservativer Mensch anstrebt. Als gläubiger Mensch gehe ich sogar noch einen Schritt weiter und traue mich zu sagen: Ich möchte den Funken der göttlichen Schöpfung bei der Empfängnis eines Kindes bewahren.

Die Empfängnis eines Kindes ist soviel mehr als das biologische Verschmelzen von Ei- und Samenzelle. Für manche mag es jetzt blöd klingen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass hier das Licht weitergegeben wird, welches uns den Weg in die Zukunft leuchtet. Die Verantwortung hierfür zu übernehmen, ist etwas ganz Großes. Die Entscheidung, dieses Licht als Zellkumpen zu bezeichnen, als Schwangerschaftsgewebe, das man entfernen kann, ist für mich ein Zeichen dafür, dass wir dunklen Zeiten entgegengehen.

Unsere Gesellschaft, genau wie andere sogenannte „zivilisierte“ Gesellschaften, hat in den vergangenen 30 Jahren viele dieser Lichter durch Abtreibung ausgeknipst. Etwa hunderttausend Kinder sind es jedes Jahr in Deutschland, in deren Augen niemand jemals das Zusammentreffen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, niemand je ihr Seelenlicht sehen wird. Traurig. Tragisch, dass die meisten Frauen in diesem angeblich so reichen Land, in dem doch Solidarität und Miteinander so groß geschrieben werden, abtreiben und sich durch Zukunftsangst genötigt sehen, ihre Leibesfrucht in Sternenkinder umzuwandeln.

Anfeindungen des „Ewiggestrigtums“

Es darf nicht einmal laut darüber nachgedacht werden, wie dies zu ändern sei, sondern es wird von selbsternannten Frauenrechtlerinnen unter sexueller Selbstbestimmung und reproduktiver Gesundheit verbucht und basta. Und jeder, der den betroffenen Frauen Wege aus der Zukunftsangst aufzeigen und Probleme lösen möchte, wird als Frauenfeind und als ewig gestriger Feind der Emanzipation ausgemacht. Das ist dunkle verdrehte Logik, ewige Lüge und wachsende kognitive Dissonanz auf dem Rücken von Kindern, denen das Lebensrecht abgesprochen wird, und Frauen, die ein Leben lang unter den Folgen leiden.

Der Zeitgeist will lieber die Schöpfung in kleinen aber stetigen Schritten zu einem in-vitro-Handwerk umformen, mit völlig arbiträren und damit heimatlosen Keimzellen ausgetragen in künstlichen Gebärmüttern. In diesem Zukunftsszenario wird der Mensch zu einem seelenlosen Produkt mit Steuernummer, Chipimplantat und vielleicht Barcode, einer funktionalen Ansammlung aus Zellen ohne eigenes Lebensrecht, der jegliche Anbindung an ihre Wurzeln, jegliche Verbundenheit mit Familie oder Schöpfung vorenthalten wird.

Ich finde es normal, dass die Medizin Paaren hilft, die ohne diese Hilfe keine eigenen Kinder bekommen können. Ich finde es normal, dass Kinder von geeigneten Paaren adoptiert werden können. Ich finde es aber auch normal, dass es hier Grenzen gibt, ja geben muss – und die liegen dort, wo die menschliche Würde (die auch ungeborenen Menschen innewohnt!), Ethik und Moral verletzt werden. Über diese Grenzen werde ich in einer anderen Kolumne laut nachdenken, hier führt es zu weit.

Eines noch: Ob die Bedürfnisse von Kindern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen in angemessenem Umfang berücksichtigt werden, darüber muss nachgedacht werden dürfen. Das Kindeswohl ist ein starkes Kriterium, welches dieses Nachdenken sogar unbedingt einfordert. Gesunder Menschenverstand, Normalität und Natur küssen und befruchten sich jeden Tag und gebären das gute Gefühl, freiheitlich und konservativ, ja, normal zu sein.

Konservatismus als Lebensgefühl

Konservativ zu sein, ist mehr als Politik. Es ist das Lebensgefühl eines jeden, der sich den kühlen klugen Kopf bewahrt hat und nicht jedem Trend hinterherläuft. Es ist das gute Gefühl einer aufgeklärten und stabilen, ja angstfreien Haltung, für unsere deutschen Werte und Tugenden zu stehen. Konservativ sein bedeutet, nicht dem Zeitgeist und der Mode hinterherhecheln zu müssen. Gelassenheit an den Tag legen zu dürfen, wenn Irrwitz sich Bahn bricht und sicher gegen die Wand läuft. Konservativ sein bedeutet heute aber auch mehr denn je die Freiheit, die Demokratie und die Menschenrechte zu bewahren und gegen den erneut aufkeimenden, wertezerstörenden und gesellschaftsspaltenden Sozialismus zu verteidigen.

Wir Konservativen hassen nicht, wir lieben. Wir spalten nicht, wir gehen nur nicht den Weg, der in die dunkle sexualisierte, allmachtsbesoffene Hölle für Individuen führt, die Vater und Mutter nicht geehrt haben und sich stattdessen zeitlebens dem Tanz um diverse goldene Kälber und dem Überwinden von Natur und Schöpfung widmen. Wir Konservativen folgen auch nicht dem Pfad, der in die Entwürdigung menschlichen Lebens, die Abschaffung von Familie, Gesellschaft und Heimat führt. Wir kitten und bewahren stattdessen. Wir übernehmen Verantwortung für unser eigenes Leben, und wir brauchen Freiheit und Demokratie wie die Luft zum Atmen.

Wir gehen den Weg in die regierungsseitig gepriesene kognitive Dissonanz nicht mit, in der beispielsweise „Solidarität“ das Gegeneinander-Ausspielen von Alt gegen Jung, Mann gegen Frau, Geimpften gegen Ungeimpften usw. bedeuten soll. Wir Konservativen sind die Bewahrer von Freiheit und Demokratie, von Familie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Von Werten, Traditionen, Liedgut, Sprache. Wir sind die Hüter des Lichts mit Mut zur ewigen Wahrheit. Uns deswegen in die rechte Ecke zu stellen, uns anzufeinden, mit diskriminierenden Etiketten zu versehen, ist in der Sache falsch, definitiv zwar irgendwie „woke“, völlig sinnfrei und grandios überhitlert. Wir werden überdauern und auch noch unsere Lieder singen, unsere Familien unterstützen und unsere Heimat lieben und bewahren, wenn der Zappelstrom ausfällt.

 

 

 

Zur Person:

Nicole Höchst, Jahrgang 1970, ist AfD-Bundestagsabgeordnete aus Rheinland-Pfalz. Sie trat 2015 in die AfD ein und zog 2017 über die Landesliste Rheinland-Pfalz für den Wahlkreis 201 (Bad Kreuznach) in den 19. deutschen Bundestag ein. Dort ist sie unter anderem als Obfrau der Enquete-Kommission für Berufliche Bildung, als Mitglied im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung sowie im Unterausschuss für Bürgerliches Engagement tätig. Bis 2012 unterrichtete sie als Studienrätin am Staatlichen Speyer-Kolleg, anschließend war sie bis Oktober 2017 Referentin am Pädagogischen Landesinstitut (vormals IFB). Höchst war 2015 Mitglied der AfD-Bundesprogrammkommission und ist Schatzmeisterin des AfD-Kreisverbands Speyer. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und lebt mit ihrer Familie in Speyer, wo sie auch Stadträtin ist.