Ein Bundespräsident zum Fremdschämen: Steinmeier zitiert Bundeswehr-Gelöbnis falsch

photography F Boillot

 

Auf keinen traf der wilhelminische Kampfbegriff gegen Kommunisten von den „vaterlandslosen Gesellen“ je besser zu als auf die Generation von Politikern, die heute dieses Land nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch (und zwar in der wörtlichen Bedeutung, bezogen auf seine „innere Moral“) zugrunde richten. Die unterschwellige Abneigung gegen den Volksbegriff und vor allem gegen das Militär trieft aus allen…

Niemand braucht sich angesichts dieser Grundablehnung noch über peinliche Versprecher und angebliche „Flüchtigkeitsfehler“ zu wundern. Nachdem diese Woche bereits Heiko Maas der Bundeswehr mit einem Foto auf Twitter gratuliert hatte, das belgische, keine deutschen Soldaten zeigt, setzt nun Frank-Walter Steinmeier noch einen drauf – und formuliert eigenmächtig mal eben – zeitgeistkonform – den Text des Gelöbnisses der Bundeswehr um.

In einer Rede vor Rekruten auf Schloss Bellevue anlässlich des 65. Jubiläums der bundesdeutschen Streitkräfte vermied das Staatsoberhaupt bewusst den Begriff „Volk“ im Text des Gelöbnisses  (das er als Wehrpflichtiger Mitte der 1970er Jahre selbst geleistet hatte) – und behauptete, die Soldaten hätten gelobt, „unserer Demokratie treu zu dienen, unser aller Recht und Freiheit tapfer zu verteidigen.“ Tatsächlich ist der Wortlaut ein anderer: „Ich gelobe, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“.

Doch nicht nur die Aversion gegen den heute als ausgrenzend diffamierten Volksbegriff lässt in Steinmeiers Rede aufhorchen; es ist die Betonung des Wortes Demokratie, die hier bewusst nicht gleichbedeutend, sondern anstelle von „Recht und Freiheit“ erfolgt. Wie schon bei früheren propagandistischen Aktionen des neuen Linksstaats, ob bei „wirsindmehr“-Demos oder erst Ende August kürzlich bei der Fake-„Verteidigung“ des Reichstags gegen einen herbeiphantasierten Volkssturm durch drei (hierfür von Steinmeier zu Helden erhobene) Polizisten, steht die Selbststilisierung der „wahren Demokraten“ (und selbst wenn sie einer zunehmend gelenkten Demokratie das Wort reden) im Vordergrund.

Demokraten“ versus Recht und Freiheit

Dies dann in Abgrenzung von gewissermaßen „suspekten“ Elementen, die im Namen von Recht und Freiheit auf die Straße gehen. „Volk“, „Recht und Freiheit“ – der Originalwortlaut des Gelöbnisses klang für Steinmeier vermutlich viel zu sehr nach Corona-Grundrechtsdemonstranten, Pegida und Querdenken – weshalb er einfach ganz nonchalant die Tradition sprachlich umpfriemelte.

Es war nicht der einzige Anlass zum Fremdschämen in der bundespräsidialen Rede. Die als erkennbar lästige Pflichtübung absolvierte Ansprache im gewohnt getragenen, pseudo-staatsmännischen Steinmeier-Gestus beinhaltete keine einzige Würdigung jener Politiker, die die Bundeswehr einst aufstellten. „Tichy’s Einblick“ schreibt: „Steinmeier hat es geschafft, eine Rede zum 65. Jahrestag der Bundeswehrgründung zu halten, in der deren Begründer nicht gewürdigt werden. Keinen einzigen Namen aus der Gründungsphase und den ersten Jahrzehnten der Bundeswehr erwähnte er, keinen General, keinen Verteidigungsminister.“

Bei solchen Politikern braucht sich niemand zu wundern, dass die Bundeswehr in Gesellschaft und Bevölkerung einen viel zu geringen Rückhalt genießt – und weiterhin systematisch, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, kaputtgespart wird. (DM)

https://www.journalistenwatch.com/2020/11/15/ein-bundespraesident-fremdschaemen/

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