Kein Wunder dass CDU-Wähler zur AfD getrieben werden

Gastkommentar von Birgit KelleCDU-Mann will Werte-Union ausschließen: Diese Arroganz hat Wähler zur AfD getrieben

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dpa/ birgit kelle (c) kerstin pukall

Peter Tauber, einst Generalsekretär der CDU, hat pünktlich zum Parteitag der CDU am Wochenende mitgeteilt, wer dort erwünscht ist und wer nicht. Die schnell wachsende Werte-Union ist es demnach nicht.

Perfektes Timing, um die neu definierten Schmuddelkinder der CDU vorab auszugrenzen, nicht dass noch ein anständiges Mitglied der CDU auf den Gedanken kommen könnte, die Werte-Union habe mit ihren Vorstellungen und agierenden Personen das gleiche Existenzrecht dort, wie andere Gruppen, etwa die stets konform laufende Frauen Union.

„Für eine Gruppe aber, die schon mit ihrem Namen unterstellt, alleiniger Lordsiegelbewahrer der Werte zu sein, ist kein Platz in der CDU“, schreibt Tauber in der „Welt“. Er warnt vor einem innerparteilichen Streit, der der CDU nur dasselbe elende Schicksal bescheren würde wie der einst stolzen Volkspartei SPD. Ja, besser mal nicht unterschiedliche Positionen unter den CDU-Mitgliedern. Ist ja auch viel einfacher mit dem Regieren im Konrad-Adenauer-Haus, wenn sich alle einig sind.

Über die Gastautorin

Birgit Kelle ist freie Journalistin, Kolumnistin verschiedener Online-Medien und Autorin der Bücher „Dann mach doch mal die Bluse zu“ (ADEO) und „GenderGaga“ (ADEO). Zuletzt erschien ihr Buch „Muttertier“.

Die Publizistin Birgit Kelle

Kerstin PukallDie Publizistin Birgit Kelle

„Diese arrogante Art hat der AfD die CDU-Wähler in die Arme getrieben“

Es ist derselbe Tauber, der als Peter – „Wer nicht für Angela Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen“-Tauber die Frage der innerparteilichen Demokratiepraxis schon vor Jahren doch recht plakativ zum Ausdruck gebracht hat. Mit Verlaub, genau diese arrogante Art hat der AfD die CDU-Wähler in die Arme getrieben. Und das sage ich als Nichtmitglied der Werte-Union. Weil es darum gar nicht geht. Aber mit der Erfahrung aus ungefähr 100 Vorträgen in verschiedenen Vereinigungen der CDU in den vergangenen sechs Jahren und den danach leidenschaftlich geführten Diskussionen.

Ich weiß nicht mehr, wie oft ich inzwischen vor allem seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 auch in Österreich und in der Schweiz auf Vortragsreisen die Frage gestellt bekommen habe, was denn unsere Regierung und namentlich Angela Merkel eigentlich gerade tut? Was das soll und wann man in Deutschland wohl wieder zum Rechtsstaat zurückkehrt? Ich konnte die Frage nicht beantworten, denn es war eine Frage die nicht nur ich, sondern auch Millionen von CDU-Stammwählern sich sicher auch gestellt haben.

„Union driftete weiter nach links“

Ich habe in den Vereinigungen der CDU, egal zu welchem Thema eingeladen war, am Ende immer die Debatte dazu führen müssen, warum man „in Berlin“ eigentlich nicht auf die Basis hört, warum man den Menschen nicht zuhört, warum man alle bisherigen Standpunkte und Prinzipien diskussionslos über Bord wirft. Ich habe CDU-Mitglieder erlebt, die resigniert haben, die enttäuscht waren, die allesamt plötzlich Gefahr liefen, von Mitgliedern der eigenen Partei öffentlich als „rechts“ abgestempelt zu werden, nur weil sie ihre bisherigen CDU-Positionen zu Familienpolitik, zur Inneren Sicherheit, zu Atomkraft oder zur Frage der Landesverteidigung beibehielten, während die Union nicht in die Mitte, sondern immer weiter nach links abdriftete.

Nie gab es Antworten aus Berlin für diese Stammwähler der CDU. Stattdessen Sprüche wie die oben zitierten von dem damaligen Generalsekretär Peter Tauber. Gut erinnere ich mich auch an das Zitat, er wolle die CDU-Leute, die zur AfD abwandern „nicht einmal geschenkt“ zurück. Ich habe schon damals einmal öffentlich widersprochen, ich wiederhole mich gerne: Ich will diese schon zurück in der CDU, die immer noch auch meine Partei ist, auch wenn sie mich regelmäßig frustriert.

Ich bin nicht bereit aufzugeben und untätig zuzusehen, wie klassische, bürgerliche Wähler an die AfD abwandern, nur weil meine Partei es nicht für nötig hält, ihre Beweggründe anzuhören und Lösungen zu suchen. Niemals käme ich aber auf den Gedanken zu sagen: Für einen Peter Tauber ist kein Platz in der CDU. Allerdings ist in der CDU Platz für Debatte und Meinung und ich bin sicher, da sind Herr Tauber und ich uns einig

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