Das matte Deutschland sitzt, China steht und schaut herab

Von Wolfgang Hübner                                                                                         7. September 2019

China oben, Merkel-Deutschland unten

In einem einzigen Bild kann sich der ganze Zustand einer historischen Situation unseres Staates widerspiegeln. Das Bild, das ich meine, zeigt den chinesischen Ministerpräsidenten Li und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel beim Empfang in Peking während des Abspielens der Nationalhymnen: Er steht, sie sitzt – China oben, Merkel-Deutschland unten. Selbst bei einem so wichtigen Besuch wie bei der zweitmächtigsten Nation der Welt kann oder will die offenbar auch körperlich völlig ausgelaugte Kanzlerin nicht mehr eine würdevolle Haltung einnehmen, wenn sich Staaten symbolisch präsentieren.

Die bedrückende Szene zeigt auch, dass die Grenzöffnerin, die im eigenen Land so viel Leid und Kosten mit ihrem faktischen Eidesbruch verursacht, nicht mehr in der Lage ist, ihr Amt in angemessener Weise wahrzunehmen. Es bedarf schon völlig gleichgeschalteter Massenmedien sowie eines überaus feigen, opportunistischen und heuchlerischen „Elite“-Personals in Politik, Kultur, Wirtschaft und ‚Zivilgesellschaft‘, wenn das größte und produktivste westeuropäische Volk ohne Aufschrei von Flensburg bis Konstanz, von Aachen bis Görlitz in dieser Weise im Ausland repräsentiert wird.

Mache sich niemand etwas vor: Merkel und ihr Tross mit vielen Spitzenmanagern sind als Bittsteller nach China gekommen. Denn der Besuch des Exportvizeweltmeisters beim Exportweltmeister ist mehr denn je der Bemühung geschuldet, einen Markt zu sichern, der infolge des wirtschaftlichen Machtkampfs zwischen den USA von Präsident Trump und China geradezu lebenswichtig für die deutsche Wirtschaft ist. Zudem richtet Merkels größenwahnsinnige Gegnerschaft zu Trump im Verhältnis zum politisch und militärisch weitaus wichtigsten Verbündeten auch bereits wirtschaftlichen Schaden an. Den aber wird China kaum ausgleichen können.

Denn auch die kommunistischen Gastgeber in Peking haben nicht geringe Sorgen. Aber sie können und werden entschlossen auf den keineswegs entsorgten chinesischen Nationalstolz und auch Nationalismus setzen, wenn das die weitere Entwicklung erfordert. Doch auf was will das Merkel-Regime der bunt-verwahrlosten Republik umschalten, wenn es – so wie es ausschaut – ökonomisch holprig oder gar krisenhaft wird? Vom Großteil des Publikums unbeachtete ZDF-Propagandafilme über die Segnungen des neudeutschen Moralimperialismus werden da wohl kaum reichen.

Wenn die FAZ heute mit der Schlagzeile aufmacht, die Kanzlerin habe in Sachen Hongkong die Einhaltung von „Rechten und Freiheit“ angemahnt, dann ist das bei der Pekinger Führung erstens nur dem Ochs ins Horn gepetzt, zweitens aber eine gezielte Irreführung von Merkels publizistischem Zentralorgans: Denn sehr im Gegensatz zu ihrem letzten USA-Auftritt mit einer arroganten Rede gegen die Trump-Präsidentschaft hat die Kanzlerin nur ganz leise Töne in China gewählt. Sie weiß nämlich genau, was andernfalls die Reaktion sein würde. Aber in dieser Beziehung hat die ehemalige DDR-Streberin ihre Lektion im SED-System ja früh gelernt.

Das beschämende Bild der die Nationalhymne absitzenden Kanzlerin zeigt Deutschland, wie es heute ist: Ein politisch und gesellschaftlich zugleich gefährlich desorientierter wie sichtbar in der Person von Merkel erstarrter Staat, dessen vom müden Führungspersonal ersehnte nationale Auflösung mitsamt der Auflösung eigener Verantwortung nur dadurch verhindert wird, weil jenseits der deutschen Grenzen dabei niemand mitmachen will.

Doch ist das noch nicht einmal das wahre Drama: Dieses besteht darin, dass die Deutschen in ihrer Mehrheit sich in dieser Lähmung gemütlich eingerichtet haben oder aus Angst vor der allgegenwärtigen „Nazi“-Brandmarkung lieber schweigen. Deshalb werden uns weitere Sitz-Bilder Merkels nicht erspart bleiben. Ehrlich gesagt: Die meisten Deutschen haben bislang nichts Besseres verdient.

Wolfgang Hübner

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