MAX ERDINGER        4. September 2019

 

 

Wir schreiben den 2. September. Ankunft am Terminal 2 in Frankfurt. Der Fluggast muß weiter zum Terminal 1, denn dort gibt es den Zugang zum Fernbahnhof unter dem Flughafen. Eigentlich kein Problem. Es verkehrt der sogenannte Sky-Train zwischen den Terminals, eine Art Hochbahn. Das heißt, seit dem 28. April verkehrt er nicht mehr, dabei hätte er am 24. Juni seinen Betrieb wieder aufnehmen sollen. Nun würde man meinen, die Fraport-AG hätte seit dem 28. April genügend Zeit gehabt, den Ersatzverkehr für den Sky-Train so zu organisieren, daß er reibungslos läuft. Doch weit gefehlt. An der Bushaltestelle vor Terminal 2 stauen sich die Fluggastmassen bis ins Gebäude zurück. Alle wollen zum Terminal 1. Doch es kommt kein Bus. Die Menschenmenge wächst weiter. Nichts funktioniert.

Als endlich ein Gelenkbus ankommt, öffnen sich drei Türen. Die Leute wollen ihren Anschlußzug im Fernbahnhof erreichen. Sie kommen aus dem Urlaub zurück und haben schwere Koffer auf Rollen, vollgepackte Rucksäcke und Handgepäck dabei. Denn bevor sie den Terminal 2 verließen, holten sie erst einmal ihr Gepäck ab. Ein Gedränge hebt an. Der Gelenkbus nimmt nur halb so viele Passagiere mit, wie er eigentlich könnte. Die Hälfte des Fahrgastraumes ist mit Gepäck voll. Die Türen schließen sich nach dem x-ten Schließungsversuch. Vorher waren Beine und Koffer im Weg. Wer kann im Bus bleiben? Wer muß wieder aussteigen und auf den nächsten Bus warten? Im Inneren des Gelenkusses geht es zu wie in einer Dose mit hochkomprimierten Sardinen.

Wer bis dahin schon lange gewartet hatte, nicht mehr mit in den Transferbus zum Terminal 1 hineinpaßte, steht nun wenigstens ganz vorn an der Bordsteinkante der Haltebucht – und wartet auf den nächsten Terminalbus. Nach endlosen Minuten kommt endlich wieder einer. Der Fahrer rollt im halben Schneckentempo in die Haltebucht. Er muß aufpassen, daß er den tiefliegenden rechten Außenspiegel nicht in die Köpfe der am Bordstein drängelnden Menschenmasse hineindrückt – und er hält ein paar Meter weiter hinten, so daß sich die Türen auch an einer anderen Stelle befinden. Wer vorher vor der sich schließenden Türe des abgefahrenen Busses stand, steht nun wieder weit weg von der Tür. Die Menschenmenge ist gereizt, Geschiebe und Gedrängel setzt ein. Welcome to Germany.

Irgendwann ist der Fahrgast dann endlich völlig genervt im Fernbahnhof unter Terminal 1. Gottlob ist die Bahn unpünktlich. Der ICE Richtung München hat eine knappe halbe Stunde Verspätung. Der Folgezug scheint aber pünktlich zu kommen, so daß zwei ICEs im Abstand von wenigen Minuten den Fernbahnhof in Richtung München verlassen werden. Doch welchen soll er nehmen, der Fluggast? Nirgendwo am Bahnhof kann er herausfinden, ob der verspätete ICE ebenfalls die Strecke über Würzburg und Nürnberg nimmt, oder ob er über Stuttgart und Ulm weiterfährt. Er muß fragen. Die Dame am Infoschalter ist genervt. Alle sind genervt und nerven ihrerseits die arme Frau. Etwas unwirsch teilt sie mit, daß nur der pünktliche ICE über Würzburg fährt. Wo sind die guten alten, gelben Abfahrtspläne hingekommen? Dort wäre der Streckenverlauf angegeben gewesen.

Der pünktliche ICE fährt wenige Minuten nach dem verspäteten in den Fernbahnhof ein. Meine Güte! Was für ein verranztes Ding! Gibt es nicht einmal mehr funktionierende Waschanlagen für den einstigen Stolz der Deutschen Bahn? Der ehemals rot-weiße ICE starrt außen vor Dreck. Ob man zu den Scheiben wohl noch hinaussehen kann, wenn sie vom Sonnenlicht getroffen werden? – Sei´s drum. Der Fluggast verläßt Frankfurt eine Stunde später, als geplant. Dadurch hat er beim Umsteigen in Würzburg auch nicht nur wenige Minuten Zeit, um ein anderes Gleis zu erreichen, sondern erneut eine knappe Dreiviertelstunde.

Schon bei der Anreise zum Frankfurter Flughafen vor zwei Wochen, mitten in der Nacht, mußte er vom Hauptbahnhof ein Taxi zum Flieger nehmen, da die S-Bahn wegen nächtlicher Gleisarbeiten in jener Nacht nicht fuhr. Der IC, den er stattdessen hätte nehmen können, kam nicht mehr infrage, weil schon der Zug nach Frankfurt mit einer halben Stunde Verspätung im Hauptbahnhof einlief. Der Fluggast mußte schließlich pünktlich zum Einchecken erscheinen. Die Sicherheitskontrollen sind im Lauf der Jahre auch immer aufwendiger und zeitraubender geworden. Da zählt jede Minute. Jedenfalls kam der Fluggast vor zwei Wochen zu jener halben Stunde Verspätung auch noch mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend am Hauptbahnhof in Frankfurt an. Er stieg am Bahnsteig 8 aus und lief den ganzen Perron in diesem Kopfbahnhof bis nach vorne, als er das Blumenmeer am Ende von Gleis 7 erblickte. Dort war wenige Tage vorher jener 8-jährige Junge vor den Zug gestoßen worden, dessen Namen lange niemand erfahren hat. Das Blumenmeer wurde von zwei schwer bewaffneten Polizisten bewacht. Auch, wenn der Zug keine Verspätung gehabt hätte: Es wäre ohnehin sicherer gewesen, sofort zum Ausgang zu gehen und mit einem Taxi von diesem gefährlichen Ort zu verschwinden. Dafür zahlt der nächtliche Bahnkunde gern dreißig Euro extra. Am Frankfurter Hauptbahnhof kommt man nämlich schnell zu Tode. Der Fahrgast fragt sich, was für eine Kloake aus seinem Heimatland geworden ist. Sein Deutschland: 2019 nicht mehr wiederzuerkennen. Von unfähigen Bürokraten, Planern und hypermoralischen Politdilettanten zugrunde gerichtet.

Stefan Aust

Der langjährige SPIEGEL-Chefredakteur Stefan Aust hat in der „Welt“ eine ellenlange Betrachtung zum Verfall in unserem Land veröffentlicht. „Deutschland außer Betrieb“ hat er sie betitelt – und sie ist nicht nur ein journalistisches Meisterwerk, sondern zugleich auch der Beleg dafür, daß selbst die Wegbereiter in dieses abschmierende Deutschland – und Stefan Aust ist jahrelang einer der mentalen Wegbereiter gewesen –  allmählich erkennen können, welcher Irrweg seit Jahrzehnten beschritten worden ist, und wie sich die Schritte gerade zur Zeit weiter beschleunigen. Deutschland rennt schon fast in Richtung Drittklassigkeit und Bananenrepublik. Die Einblicke und die Details, die Aust liefert, sind nicht nur alarmierend, – sie sind schockierend. Wir Deutschen können so nicht weitermachen, ohne daß uns die ganze Welt demnächst für völlig durchgeknallt hält.

Endlose Baustellen, brüchige Brücken, verspätete Züge, langsames Internet, marode Schulen, vermurkste Energiewende: Vieles läuft in Deutschland nicht mehr so, wie es sollte. Realität und Wunschdenken driften weit auseinander.„, schreibt Aust in seinem ersten Absatz. „Vieles„? – Ich hätte „Nichts“ genommen, auch auf die Gefahr hin, vielleicht zu übertreiben. Ich glaube aber, realiter sind wir näher an „Nichts“, als an „Vieles„. Austs zentraler Satz stimmt aber: Realität und Wunschdenken driften tatsächlich weit auseinander. Doch noch nicht einmal das wollen die Verantwortlichen wahrhaben.

Zeit, einmal über ein Zitat von Thomas Sowell nachzudenken. Der berühmte US-Ökonom sagte sinngemäß, es sei wahnsinnig, anzunehmen, daß sich die Dinge zum Guten entwickeln würden, wenn man seine Verantwortung an Stellvertreter delegiert, die keinen Preis dafür bezahlen müssen, wenn sie Mist bauen. Damit hat er den deutschen Grundirrtum ganz gut beschrieben.

Die Idee eines Volksverteters

Die Idee, daß sich ein Volk aufs Arbeiten konzentieren kann, wenn es sich die Zeit, die es bräuchte, um sich mit Politik zu beschäftigen, dadurch spart, daß sie die politischen Angelegenheiten an sogenannte Volksverteter delegiert, hing an einer Voraussetzung, die heute nicht mehr existiert. Die Voraussetzung war, daß die Vertreter willens sind und förmlich darauf brennen, der Allgemeinheit die eigene Nützlichkeit unter Beweis zu stellen und dafür Ruhm und Ehrungen einzuheimsen. Die Ehrungen gibt es heute für nichts. Und vom Ruhm alleine kann man sich nichts kaufen. Angela Merkel hat kürzlich ihren siebzehnten Ehrendoktortitel erhalten. Wofür, um Himmels Willen?

Der heutige Volksvertreter, der ja, wie vorgesehen, aus dem Volk kommt, tickt selbstverständlich nicht anders als das Volk selbst. Er hat schließlich, zumindest in seinen Jugendjahren, in etwa dieselbe Sozialisation durchlaufen wie diejenigen, die er heute eigentlich vertreten soll. Aber sein Posten ist nicht mehr Aufgabe, sondern Resultat einer Karriere, die er selbst gemacht hat – und das Volk, das er eigentlich vertreten soll, eben nicht. Der ehemalige Volksverteter wähnt sich heute als über dem Souverän stehend, er sieht sich als einen Erfolgsmenschen, nicht als einen im Dienste des Souveräns stehenden. Er hat eine Karriere gemacht, ist unter Ellenbogeneinsatz die Erfolgsleiter hochgestiegen. Und zwar zu seinem eigenen Fortkommen, zum eigenen Wohl und Frommen. Was interessiert ihn das Volk? Er wird nie etwas sagen, das seine eigene Karriere gefährdet, und wenn er insgeheim zehnmal denkt, daß er eigentlich etwas sagen müsste, das gegen den Strich gebürstet ist.

Ob seine Karriere fortbesteht und sich entwickelt, hängt nicht mehr vom Volk ab, sondern von den Parteimächtigen, denen er nach dem Munde zu reden hat, will er keine materiellen Verluste gewärtigen müssen. Er steigt in einem hierarchischen System auf – oder ab. Abstieg ist das Letzte. Es gibt Leute, die ihn degradieren könnten. Das Volk ist das nicht. Hat denn das Volk nicht alle Möglichkeiten, selbst Karriere zu machen? Das Volk soll zu ihm hochblicken, schließlich macht er doch vor, wie Karriere geht. Das Volk braucht sich doch nur ein Beispiel an ihm zu nehmen. Sind denn nicht alle ganz wahnsinnig frei? Haben wir denn nicht die gesetzliche Chancengleichheit bei der Bildung und auch sonst alle möglichen Gleichstellungen? Haben wir denn nicht eine klassenlose Gesellschaft? Wollen wir denn nicht alle dasselbe, nämlich Geld, viel Geld? Je mehr, desto besser? Was hat uns dieses gestrige Geschwätz zu interessieren, demzufolge es immaterielle Werte gibt, die zu verteidigen und hochzuhalten es gilt? – Schönschwätzen kann der Politkarrierist selber. Eine seiner leichtesten Übungen. Das hat er von der Pike auf gelernt. Deswegen ist er geworden, was er heute ist. Das Volk soll ihm einfach zuhören. Für den „Volksvertreter“ selbst gibt es keinerlei Veranlassung, Wolkenkuckucksheim zu verlassen. Es läuft doch alles ganz prächtig?

So hat Aust das nicht geschrieben, aber ich denke, so ist es. Wir Deutschen sind ein Volk, für das sich niemand mehr krummlegt, vor allem die nicht, die eigentlich dazu gewählt sind, genau das zu tun. Wir haben keine Regierung. Was wir haben, sind ein paar sichtbare Marionetten, die vor der Fassade der Demokratie ihren Tanz aufführen, um die Illusion aufrecht zu erhalten, wir hätten noch Volksvertreter. Solange die Illusion lebt, herrscht gesellschaftlicher Frieden. Wenigstens einigermaßen. Es war schon einmal sehr viel besser, aber was soll´s? Und wenn es endgültig gar den Bach runter geht: Der „Volksverteter“ weiß schon, wie er sich und seine Kröten in Sicherheit bringt.

Auch im Bürgerkrieg werden die Schwulen heiraten dürfen, während im Hintergrund eine Autobahnbrücke zusammenbricht. Das ist doch immerhin schon etwas? Vor dreißig Jahren hätte es das selbst zu Friedenszeiten und bei intakter Infrastruktur nicht gegeben. Soll keiner sagen, der Volksvertreter hätte nichts geleistet. Das wäre schon ungerecht ihm gegenüber. Den Verdacht, daß er entlang seines eigenen Präfernzutilitarismus bei der Beurteilung dessen, was ungerecht sei, sehr selbstgerecht sein könnte, läßt die Demokratiemarionette natürlich nicht an sich heran. Nichts verdirbt die Freude am eigenen Erfolg zuverlässiger, als ein schlechtes Gewissen.

Überhaupt: Gewissen. Auch so ein überkommener Begriff. Nützlich ist er nur, wenn man ihn verwendet, um anderen klarzumachen, daß sie gefälligst eines zu haben hätten. Deutschland 2019: Das Land der selbstgerecht vor sich hindilettierenden Karrieristen in der Ignoranz. Wer vor fünfzig Jahren die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium nicht geschafft hätte, – vor 25 Jahren hat er sie geschafft, wenn er überhaupt noch eine ablegen musste. Wer vor fünfzig Jahren noch den Beruf des Maurers erlernt hätte, eben weil er ein Gymnasium nie von innen gesehen hat, der hat heute seit 17 Jahren Abitur und seit 9 Jahren sein Staatsexamen. Womöglich wird er heute als heißer Kandidat für den SPD-Vorsitz gehandelt. So schön gerecht ist die Welt, wenn man vorher nur fleißig eine sozialdemokratische Bildungsreform nach der anderen vom Stapel gelassen hat. – „Schreim Sie ihrn Bumstagsabgottneten nach Gehöhr wen sie was von ihm wolln. Er had nich blos den Asch offn für sie sondern auch seine Ohrn. Schreim sie ihn auf Meinbumstag.de

Stefan Aust kommt in der „Welt“ vom Hundertsten ins Tausendste. Das geht los mit der Bauruine BER, an der seit 13 Jahren herumgemurkst wird, ohne daß ein seriöses Datum für die Fertigstellung des Flughafens „Willy Brandt“ zu nennen ist, geschweige denn eines für seine Inbetriebnahme. Der Bau steckt im Dschungel von Bauvorschriften und Sicherheitsstandards fest. Allein 300 Katastrophenszenarien wurden durchgespielt, um jedes erdenkliche Sicherheitsrisko auszuschließen. Keiner der politisch Verantwortlichen für dieses skandalöse Desaster hat irgendwelche Konsequenzen zu befürchten. Es geht weiter mit dem E-Auto und den Eichvorschriften für Ladesäulen, mit dem Wahnsinn der Energiewende und etlichem mehr, wie beispielsweise der Tatsache, daß die Deutsche Bahn der größte Einzelabnehmer von Glyphosat ist, während der Chemiegigant Bayer den Produzenten von Glyphosat, Monsanto, aufgekauft hat und nun mit milliardenschweren Zahlungen an vermeintliche Glyphosat-Opfer in den USA konfrontiert ist, was der größten Wertvernichtung einer deutschen Chemie- Aktie in der Geschichte des DAX gleichkommt, ehe Aust dann zum sichtbarsten Beweis jener wahnsinnig grünen Beklopptheit kommt, die jeden heimatliebenden Vernunftmenschen und Tierfreund auf die Palme bringt: Die Verspargelung unserer herrlichen Landschaften mit vogel- und fledermauskillenden Windrädern.

Stefan Aust schreibt: „Eine moderne Windkraftanlage erreicht mit ihren Flügeln eine Höhe von 200 Metern, was etwa einem Hochhaus mit 70 Stockwerken entspricht. So etwa die Windkraftanlage E-126 von Enercon bzw. 5 M von REpower. Der Stahlbetonturm ist 135 Meter hoch und wiegt 2.800 Tonnen. Das Maschinenhaus, das auf den Turm gesetzt wird, wiegt 120 Tonnen, was dem Gewicht von rund 80 PKW entspricht. Daran wird der Generator mit einem Gewicht von 220 Tonnen, entsprechend etwa 210 PKW befestigt. Damit das Windkraftwerk sicher steht, ist ein entsprechendes Fundament erforderlich. Dieses hat einen Durchmesser von 20 bis 30 Metern und eine Tiefe bis zu vier Metern. Dafür werden 1.300 Kubikmeter Beton und 180 Tonnen Stahl verbaut. Insgesamt hat das Fundament ein Gewicht von 3.500 Tonnen. Bei einer Tiefgründung werden zusätzlich etwa vierzig 15 Meter lange Betonpfeiler in den Boden gerammt. Das Gesamtgewicht eines solchen umweltschonenden Windkraftwerkes liegt bei etwa 7.000 Tonnen. Da muss es sich häufig – und am besten konstant – drehen, um seine Baukosten sowie den CO2-Fußabdruck wieder einzuspielen. Das ist nicht ganz leicht, denn für die Herstellung von einer Tonne Zement ist jeweils etwa eine Tonne CO2 nötig. Zement gilt als der heimliche Klimakiller, produziert diese Industrie doch mehr CO2 als der gesamte globale Luftverkehr. Schätzungen zufolge gehen 8 Prozent der globalen CO2-Emissionen auf das Konto der Zementindustrie. Wäre sie ein Staat, so läge sie bei den CO2-Emissionen hinter China und den USA global an dritter Stelle.

Verbotene Frage

Im Zusammenhang mit dem ganzen Wahnsinn gibt es eine zentrale, absolut verbotene Frage, die öffentlich zu stellen überhaupt nur jemand wagen kann, der selbst dann noch seinen Mund aufmachen würde, wenn er die ganze Welt gegen sich wüsste. Das ist die Frage, ob es sich bei der unbestreitbaren zeitlichen Korrelation zwischen dem von Aust so zutreffend beschriebenen Wahnsinn und der seit einem halben Jahrhundert laufenden, ubiquitären Frauenermächtigung tatsächlich nur um eine zufällige Korrelation handelt, oder ob es einen kausalen Zusammenhang gibt. Das ist die Frage, mit der man sich zuverlässig zwischen alle Stühle setzen kann. Kein Grund allerdings, sie nicht zu stellen. Ich halte sie tatsächlich für eine sehr wesentliche Frage bei der Suche nach Antworten zur Erklärung des beklagenswerten Zustandes, in dem sich unser Land unzweifelhaft befindet. Meinereiner findet es schon höchst verdächtig, daß niemand auch nur daran denkt, nach einem halben Jahrhundert begeisterter Frauenveneration einmal ein Zwischenresümee zu ziehen, um zu überprüfen, was genau eigentlich wahr geworden ist von den Versprechungen, die vor einem halben Jahrhundert gemacht worden sind. Fast habe ich den Eindruck, niemand getraut sich, es wissen zu wollen. Von Schuldzuweisungen an die Gesamtheit aller Frauen bin ich dabei allerdings weit entfernt. Jeder tut, was er kann. Und wenn er etwas nicht kann, es aber tut, weil er es aus egalitärideologischen Gründen tun muß oder tun zu müssen glaubt, dann wären die Resultate eben dementsprechend. Von Verwunderung bin ich deshalb ebenfalls weit entfernt.

Die diskursbeherrschende, medienkontrollierende, internationalsozialistische Gesinnungsmafia der Kulturmarxisten, diese pestilenzartige Geißel unseres Vaterlandes, spricht gern vom „sozial konstruierten Geschlecht“ und von „Geschlechterrollen“, welche überwunden werden müssen. Besonders auf Korn genommen- und praktisch vernichtet haben sie dabei den alten Patriarchen. Der war nach linker Lesart ein mit Privilegien überhäufter, schwer neurotischer und tyrannischer Sack, der Quell allen Frauen- und Kinderleids. Darauf will ich gar nicht näher eingehen. Mir geht es hier um etwas anderes. Ganz offensichtlich hat die Linke übersehen, daß er außer einer Heimsuchung für alle übrigen „die Menschen“ zu sein, auch über gewisse Qualitäten verfügte, die heute schmerzlich vermisst werden. Eine sehr wesentliche dieser Eigenschaften ist seine Bereitschaft gewesen, Verantwortung zu übernehmen, Schutz zu gewähren und sich in den Dienst an Anderen zu stellen, um dabei abseits aller auf sich bezogenen, materialistischen Interessen an Sozialprestige zu gewinnen, eine honorige Person zu sein, vor der die Anderen den Hut zogen, wenn sie ihm auf der Straße begegneten.  Zu Zeiten des Patriarchen gab es noch den Begriff „Ehrenmann“. Wer noch weiß, was unter einem Ehrenmann zu verstehen gewesen ist, der erhebe sich und zeige mir einen, den ich noch nicht selbst als solchen identifiziert hätte. Eine Handvoll gibt es noch – und sie werden übelst angefeindet.

Nun ist das mit den Geschlechterrollen nicht ganz verkehrt. Tatsächlich haben die beiden Geschlechter, die es gibt, gesellschaftliche Rollen übernommen. Und zwar im Lauf einer kulturellen Entwicklung, die sich über Jahrtausende hingezogen hat. Vielleicht ist es sogar möglich, ein geschlechtsbezogenes Rollenverständnis auch zu ändern. Was aber keinesfalls möglich sein dürfte, das ist, ein verändertes Rollenbild quasi per ordre de mufti von jetzt auf gleich zu verfügen und zu dekretieren, daß es ab sofort zu gelten hat. Das ist allerdings genau das, was passiert ist. Und es wurde noch nicht einmal mit aller Konsequenz durchgezogen. Die weiblichen Privilegien, die spiegelbildlich zu denen des Patriarchen auch immer existiert haben, blieben nämlich weitgehend unangetastet. Bitte nehmen Sie mir ab, daß ich hier nicht auf einzelne, sehr fähige Frauen abhebe. Die gibt es zweifellos.

Es ist aber zu konstatieren, daß die Erwartungen an die Resultate aus der Etablierung einer rechtlichen Chancengleichheit allgemein eher enttäuschend gewesen sind für die Kulturmarxisten in ihrem egalitaristischen Wahn, weswegen von Chancengleichheit (Gleichberechtigung) auf die zwanghafte Ergebnisgleichheit umgestellt wurde (Gleichstellung). Das äußert sich in den linksaneurotisch gestellten Forderungen nach einem Paritätsgesetz und nach Frauenquoten fast allüberall, außer dort, wo Frauen nicht hinwollen. Realiter ist ein System weiblicher Rosinenpickerei etabliert worden. Wäre das nicht geschehen, hätten Frauen dieses staatspaternalistische Vorgehen der Gleichstellung auch nicht mit sich machen lassen.

Ein kluger Mann hat einmal den prinzipiellen Unterschied zwischen Männern und Frauen in ihren tradierten Geschlechterrollen so beschrieben: Männer wollen etwas beweisen, Frauen wollen etwas erreichen. Und noch ein Anderer sagte, der Wille des Menschen sei sein Himmelreich. In der Realität ist das alles egal. Wenn Frauen erreichen wollen, daß sie überleben, dann steigen sie auch heute noch als erste ins Rettungsboot, wenn die Titanic untergeht – und zu überkommende Geschlechterrollen sind ihnen dabei völlig schnurz, so wie den Männern, die ihnen auch heute noch den Vortritt lassen, anstatt sich kraft körperlicher Überlegenheit einfach durchzusetzen und das eigene Leben zu retten. Das hat auch mit Biologie zu tun. Ein überlebender Mann kann rein theoretisch alle überlebenden Frauen binnen kürzester Zeit schwängern, was der Bestandserholung nach der Katastrophe dienlich ist, bspw. nach einem Krieg oder einer Schlacht. Umgekehrt läuft das nicht. Eine überlebende Frau kann nur einmal geschwängert werden und bis sie damit durch ist, sind neun Monate vorbei. Unter dem Aspekt der Bestandserholung ist es daher unsinnig, Männer statt Frauen überleben zu lassen. Daran ändert keine Gleichheitsideologie dieser Welt etwas. Ideologie ändert keine Biologie. Im ergebnis sieht das so aus: Was Männer heute wollen, dafür interessiert sich keine Sau. Was Frauen gefälligst zu wollen haben und was sie tatsächlich wollen, – dafür interessieren sich alle. Sie müssen sich nämlich dafür interessieren, wenn sie nicht zum gesellschaftlichen Aussätzigen werden wollen. Und das hat schwerwiegende Folgen.

Ich behaupte, daß der oben beschriebene, egozentrische und verantwortungslose „Volksvertreter“-Typus in seiner männlichen Erscheinungsform das logische Resultat von einem halben Jahrhundert zwangsweise betriebener Frauenermächtigung in öffentlichen Angelegenheiten ist. Von Angela Merkel über Manuela Schwesig, die ganzen Fernsehtanten und Kolumnistinnen bis hin zu Claudia Roth, Sawsan Chebli und hunderten anderer Frauen in „verantwortlicher Position“ hat sich durchgesetzt, daß es etwas zu erreichen gilt – und zwar für sich selbst – und daß das Amt nicht als Dienst und Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber begriffen wird, so, wie das beim alten Patriarchen noch der Fall gewesen wäre, sondern als persönliche Auszeichnung, respektive als längst fällige Kompensation für die „Frauenunterdrückung“ in der Vergangenheit, was natürlich eine sehr willkommen Rechtfertigung ist, um die eigenen Ambitionen mit höheren Weihen zu versehen. Anders ist die völlige Absenz von Verantwortungsbewußtsein der agierenden Polit- und Medienfrauen nicht zu erklären. Sie leben offensichtlich noch immer in dem tradierten Bewußtsein, daß sie auf ewig von einer kulturellen Substanz zehren können, die in Wirklichkeit niemand mehr auffüllt. Und damit ist auch das Dilemma des männlichen Politkarrieristen beschrieben. Selbst wenn er entlang seiner eigenen, „überkommenen“ Patriarchenüberzeugungen würde handeln wollen, – er hätte es heute öfter als je zuvor mit einer mächtigen Frau über sich zu tun, die ihrer eigenen Agenda folgt, und die Macxhtmittel hätte, ihn zu degradieren, wenn er ihrer höchstpersönlichen Agenda mit seinem Verantwortungsbewußtsein im Wege stünde. Das erbarmungswürdige Männchen, das dadurch nur noch offiziell eine Funktion hat, realiter aber nicht mehr funktioniert, bezeichnet meinereiner mitleidslos als „Punzenfiffi“. Und der ist die wahre Ursache hinter dem Niedergang unseres Landes. Wären die alten Geschlechterrollejn nie von den Kulturmarxisten geschleift worden, – Deutschland wäre noch an der internationalen Spitze. Und vor allem würde es sich nicht so wehrlos der Massenimmigration ergeben. Es sieht ganz danach, als sei die Verteidigung von allem möglichen außer ihrer eigenen Interessen kein interessantes Gedankenfeld für die Frauen, die per Ideologie an die Schalthebel der Macht befördert worden sind. Die leben tatsächlich in dem Wahn, daß sich noch immer existierende, virile Gesellschaften mit teutonisch-weiblicher Gefühlsduselei zur besseren, weil weiblichen Einsicht bekehren lassen. Und wenn das schief gehen sollte, so denken sie wahrscheinlich, werden sie die Männer schon wieder raushauen aus der Bredouille, so, wie sie das immer getan haben. Und sie lägen mit einer solchen Vermutung wahrscheinlich nicht einmal daneben. Nur: Das deformierte Männergeschlecht, das heute schon zu Friedenszeiten kein funktionierendes Land mehr garantieren kann, wird aller Voraussicht nach jeden tatsächlichen Kampf haushoch verlieren. Weil es sich aus linksideologischen Gründen fahrlässig hat schwächen lassen.

Hitlers Rache

Es ist so gesehen auch völlig daneben, zu behaupten, unser Land sei mit den Kriegsfolgen und denen des Dritten Reichs generell längst fertig geworden. Nichts wäre verkehrter als das. Die Kulturmarxisten, die wesentlich verantwortlich sind für den bedauerlichen Zustand unseres Landes mit ihrem weiblichen Sicherheitsdenken, der Feminisierung der Gesellschaft ganz allgemein, ihrem materialistischen Denken und ihrem realitätsfernen Egalitaristenwahn – und die inzwischen die nächste Generation großgezogen haben, die wiederum bald noch extremer falsch tickt, als ihre Erzeuger und Ursprungsverpeilten selbst, verstand sich immer als der Gegenentwurf zur Nazigesellschaft. Deutsche wollen aber immer Weltmeister werden, und sei es Gegenentwurfs-Weltmeister. Weit übers Ziel hinausgeschossen, kann man da nur noch sagen. Der Gegenentwurf zu Hitler ist nicht weniger extremistisch, als der olle Hitler und seine Nazis selbst. Nur eben in einer vermeintlich anderen Richtung. So viel anders ist aber diese Richtung gar nicht. Was heute so ist wie damals, das ist, daß sich gefälligst alle um die vorherrschenden ideologischen Dogmen zu versammeln haben. Die heutige Gesellschaft ist so uniform wie damals, selbst wenn sie optisch anders daherkommt. Keiner wagt es mehr, zum Wohle der Allgemeinheit aufzumucken. Der Konformist, der miserable Mitläufer, ist 2019 so en vogue wie 1939. Die egozentrische Versagerkaste, die heute keinen Flughafen mehr fertig bekommt, die Infrastruktur verfallen läßt, die Mitbürger steuerlich auspreßt wie Zitronen, ein zum Scheitern verurteiltes Gaga-Projekt nach dem nächsten auf Kosten anderer Leute anleiert und dabei permanent die linke Moralistenklappe sperrangelweit offen hat – sie ist nichts anderes als die Rache Hitlers am deutschen Volk dafür, daß es seinen gottverdammten Krieg verloren hat. So gesehen ist die GroKo eine Spätfolge des Zweiten Weltkrieges.

Man muß schon einmal deutlich sehen, wo der ganze Schwachsinn, mit dem unser einstmals international führendes und geachtetes Land geschlagen ist, seinen wahren Ursprung hat. In der NZZ war neulich zu lesen, daß Deutsche heute die Welt nicht mehr militärisch, sondern moralisch erobern wollen. Und es ist wahrlich kein Zufall, daß es eines dieser gräßlich versagenden Politweiber gewesen ist, welches dieser Tage allen Ernstes behauptete, es sei Aufgabe der Deutschen, zum ökologistischen Vorbild für die ganze Welt zu werden und die Ökotechnologien zu entwickeln, welche die Welt brauchen wird: Annegret Kramp-Karrenbauer. Annelena Baerbock soll sie vermutlich mit den grünen Kobolden zusammen entwickeln, die dann alle Erfindungen „im Stromnetz speichern“. Die Welt braucht beides nicht. Deutsche Technik gegen den eingebildeten anthropogenen Klimawandel nicht – und Kramp-Karrenbauer braucht die Welt auch nicht. Noch nicht mal Deutschland braucht Kramp-Karrenbauer, ganz im Gegenteil. Angela Merkel nicht, Claudia Roth nicht, Sandra Maischberger nicht – und die ganzen Punzenfiffis in deren Gefolge braucht Deutschland auch nicht. Von der linksdrehenden Haltungsjournaille gar nicht erst zu reden. Die ist regelrecht die Pest. Sie verpestet die Hirne ihrer Konsumenten. Und alles wegen des ollen Hitlers. Leute, ich verrate euch etwas: Der olle Hitler ist schon lange tot. Eueren lächerlich mutigen Widerstand gegen den Verblichenen, – umso mutiger, je länger der alte Verbrecher tot ist -, kauft euch kein Mensch mehr ab. Allmählich lacht die ganze Welt über eure Neurose. Ihr lähmt mit euerer Haltungsfixierung das ganze Land. Hier geht alles den Bach runter – und alles, was euch dazu einfällt, das ist, wie man Leuten, die euch die Leviten lesen, das Maul verbieten kann. Ihr habt es allmählich genau beieinander, und das wißt ihr auch.

Woher kommt Rettung vor den Wahnsinnigen?

Ich weiß es nicht. Klar gibt es die Alternative für Deutschland, aber wie mit der umgesprungen wird von Hitlers Rache, um sie von der Macht fernzuhalten, läßt sich nicht erst dieser Tage ganz gut studieren. Voraussetzung für alles Weitere ist ein Beendigung von ´68 und seinen desaströsen Folgen, eine Aufarbeitung des Desasters, das fünfzig Jahre Party im ideologischen Wolkenkuckucksheim geschaffen haben – und der Rest wird sich weisen. Man muß nicht unbedingt wissen, was werden wird, um zu wissen, daß das, was ist, auf jeden Fall weg muß. Das ist das, was man bei bester Sicht überblicken kann.

Und man muß unbedingt so großzügig sein, Stefan Aust für seinen detaillierten Überblick zu den grotesk vielen Baustellen zu danken, auf denen in Deutschland absolute Idioten vor sich hin dilettieren. Daß er sich nicht weiter mit den Grundursachen dafür auseinandergesetzt hat, sei ihm nachgesehen. Was soll er denn auch machen angesichts seiner eigenen Vergangenheit? – Sich coram publico Asche aufs Haupt streuen? Sein Artikel in der „Welt“ war deutlich mehr, als ich von ihm erwartet hätte. Bravo, Stefan Aust!

https://www.journalistenwatch.com/2019/09/04/deutschland-2019-nichts-funktioniert/

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