Sippenhaft

Offener Brief an die Rhein-Zeitung
Sehr geehrte Damen und Herren,
wenn es darum geht, die AfD oder ihre Repräsentanten in ein schlechtes Licht zu rücken, so scheint Ihnen kein Anlaß zu banal. Es ist Ihren Lesern gegenüber schon eine Zumutung zu nennen, wenn Sie in einem mehrspaltigen Bericht skandalisieren (Schießtraining!), dass der Bundestagsabgeordnete Petr Bystron bei seinem Südafrika-Besuch einen Schießstand aufgesucht und dort, auch nach eigenem Bekunden, einige Schüsse auf eine Zielscheibe abgegeben hat. Eine derartige Nebensächlichkeit, nichts anderes ist dieser Vorgang, wäre Ihnen bei einem Vertreter der Altparteien keine einzige Zeile wert gewesen; und das zu völlig recht.
Ganz anders, und ein Skandal erster Güte, ist ein Vorfall, der sich dieser Tage an einer Berliner Waldorfschule ereignet hat. Sehr wohl wissend, das unterstelle ich Ihnen, was dort passsiert ist (dem Kind eines AfD-Abgeordneten wurde die Einschulung verweigert, weil sein Vater ebendieser Partei angehört, Sippenhaft also), ist bis zum heutigen Tag mit keinem Wort, keiner Zeile in Ihrem Blatt darüber berichtet worden. Lückenpresse nennt man sowas heutzutage. Paßt dazu: die neue „Spiegelaffäre“.
Eine solche Diskriminierung eines unschuldigen Kindes hätte in unserem Land, und auch in Ihrer Zeitung, einen Sturm der Entrüstung auslösen müssen. Hätte! Es war aber eben nur das Kind eines AfD-Abgeordneten, einer Pariah Partei, der gegenüber gesellschaftliche und moralische Regeln nicht gelten, die und deren Kinder man nach Belieben diskriminieren, verunglimpfen und beleidigen darf, wo immer nach Ihrer Meinung die Gelegenheit sich dazu bietet. Der Beifall nahezu des gesamten politischen-medialen Komplexes erhält man in solchen Fällen als Belohnung obendrauf. Unvermittelt fühlt man sich an die unseligen zwölf Jahre deutscher Geschichte erinnert, wo eben genau dies mit einer ganzen Bevölkerungsgruppe geschah. Und daran hatte auch die Presse ihr gerütteltes Maß an Anteil.
Ist es nun wieder so weit in unserem Land? Vieles spricht dafür. Besinnen Sie sich und werden Sie Ihrer Verantwortung gerecht. Kehren Sie zu sachlicher Berichterstattung zurück.
Mit besorgten Grüßen
Karl-Eugen Kaiser

Ein Gedanke zu „Sippenhaft

  1. Winfried Gruszin

    Wieder ein sehr guter Beitrag von Herrn Kaiser.
    Aus Angst, vor der Wahrheit, übernehmen die Altparteien und die Presse einen Part der Kirche in dunklen Zeiten.
    Die Inquisition wird darum erweckt.

    Antworten

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .