Statistik und Realität

„Laut Statistik ist die Kriminalität in Deutschland entgegen der allgemeinen Wahrnehmung seit Jahren rückläufig“, Zitat aus einem Artikel in der heutigen RZ.
Liest man das, so gerät man ins Grübeln. Leiden wir Deutschen im Kollektiv unter massenhafter Hysterie, zwanghafter Psychose, pathologischem Verfolgungswahn, wenn wir exakt das Gegenteil dessen wahrnehmen, was uns die Statistik sagt? Ist unsere Wahrnehmung einbetonierter und vergitterter Weihnachtsmärkte, die allgegenwärtige Polizeipräsenz bei Volksfesten, öffentlichen Veranstaltungen, auf Bahnhöfen und in Fußgängerzonen ein Hirngespinst? Sind die inzwischen an fast jeder Ecke angebrachten Videokameras nicht existent und damit Ausfluß gestörter Realitätswahrnehmung? Hat nicht, wie kürzlich zu lesen war, das Land stichfeste Schals zum Schutz der Polizeibeamten angeschafft? Ist nicht der Ruf nach immer mehr Polizei alltäglich zu hören? Wird nicht den Frauen zu „einer Armlänge Abstand“  und nur zum gemeinsamen Joggen in Parks geraten? Werden nicht in vielen Schulen die Schülerinnen zum Tragen züchtiger Kleidung aufgefordert, um keinen Anstoß bei den noch nicht so lange hier Lebenden zu erregen? 
Sofern man all diese Fragen wider jeglicher Vernunft verneint und „entgegen der allgemeinen Wahrnehmung“ die Kriminalität rückläufig ist, so wären doch all die Maßnahmen, die eben dieser entgegenwirken sollen,  nichts anders denn als paradox, als völlig absurd  zu bezeichnen. Wie der deutsche Alltag hingegen zeigt, sind sie es nicht. Sie haben ihre volle Berechtigung angesichts einer ernsthaften Bedrohungslage, die bis vor wenigen Jahren im jetzigen Ausmaß in unserem Land unbekannt war. Und so ist denn zu konstatieren, dass Deutschland eben kein sicheres Land mehr ist. Das zeigt sich auch daran, dass nicht wenige Regierungen ihren Bürgern wegen der vielerorts bedrohlichen Sicherheitslage vor Reisen nach Deutschland abraten und dass das Sicherheitsgefühl unserer Bürger in dem Maße sinkt, in dem auf der anderen Seite tägliche Messerattacken, brutale Überfälle, Massenvergewaltigungen, Ehrenmorde u.v.m. vermeldet werden. Und darüber kann auch keine noch so glaubwürdig daherkommende Statistik hinwegtäuschen.

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