Offener Brief an die Redaktion des „Wochenspiegel“

Sehr geehrter Herr Desinger,
Die Gewalt-Exzesse machen mich fassungslos. Da werden wahllos Ausländer gehetzt, Journalisten bedroht.“
Unter dem Aufmacher „Haltung zeigen“ publizieren Sie den mit diesen Sätzen beginnenden Beitrag im Wochenspiegel, der in der Tat fassungslos macht. Allerdings anders als  im von Ihnen beschriebenen Sinne. Was in der Tat fassungslos macht, ist Ihr gänzliches Verschweigen der die Proteste auslösenden Gewalt-Exzesse, nicht gegen Ausländer oder Journalisten, nein, gegen Ihre, unsere eigenen Landsleute. Oder würden Sie dann nicht von „Gewalt-Exzessen“ schreiben,  wenn Sie darüber berichteten, wie ein krimineller Mob bei uns „Schutzsuchender“ mit Messern drei unschuldige deutsche Männer unvorstellbar bestialisch massakriert, mit unzähligen Stichen in  Bauch, Kopf und Rücken? Ein Wort über die Tat, den Tathergang, gar des Bedauerns, des Mitleids oder Ihrer Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer? Nichts! Nada! Fehlanzeige!
Stattdessen:
„Wir sind das Volk“, das hatten friedliche Demonstranten vor der Wiedervereinigung skandiert. Heute mißbraucht der rechte Mob im Schulterschluß mit sogenannten besorgten Bürgern diesen Satz.“ 
und:
Zu diesem Volk möchte ich nicht gehören“.
Wie wir wissen, und das war auch schon vor Wochenfrist all jenen bekannt, die es wissen wollten (Ihnen sollte es bekannt gewesen sein), verliefen die Proteste seitens der Demonstranten friedlich. Nichts anderes war zu hören vom Chefredakteur der „Freien Presse“ Chemnitz, Torsten Kleditzsch, ein Kollege von Ihnen, an dem Sie sich ein Beispiel nehmen sollten, dem ermittelnden Generalstaatsanwaltschaft von Chemnitz, dem sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer, Bundesinnenminister Seehofer und, neu, dem Chef des Obersten Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen. All die Genannten bestätigen übereinstimmend: Es gab keinerlei Hetzjagden gegen Ausländer, schon gar keine, wie Sie es mit markigen Worten beschreiben „Gewalt-Exzesse“. Woher Sie diese „Fake News“ haben, darüber kein Wort in Ihrem Bericht.
Sollte Ihre Informationsquelle, und ich kann hierüber nur spekulieren, etwa ein im Netz kursierendes  19sekündiges, verwackeltes Handyvideo sein (andere „Beweise“ sind bis zur Stunde keine präsentiert worden), an dem Sie Ihre Vorwürfe festmachen? Über dieses Video ist nichts, aber auch garnichts näheres bekannt. Wer ist der Urheber? Wer sind die auf dem Video zu sehenden Personen? Es sind darauf Stimmen zu hören, von wem stammen diese? Eine Person, Mann?, läuft einer anderen Person hinterher. Na, und? Keine Gewalt, schon gar keine Gewalt-Exzesse erkennbar. War das alles? Keinerlei anderen „Beweise“ sind bis zur Stunde präsentiert worden.
Stattdessen prügeln Sie in hämischer und überheblicher Weise auf „sogenannte besorgte(n) Bürger“ ein und kübeln über diese ihre ehrabschneidenden Unwahrheiten aus, faseln von einem „rechten Mob“, der in der Masse der friedlich Demonstrierenden kaum wahrnehmbar war und, der Gipfel, entblöden sich nicht mit ihrer unsäglichen Bemerkung, zu diesem Volk nicht gehören zu wollen.
Ich möchte in Frieden und Freiheit leben, wie die meisten Menschen.“
Das, verehrter Herr, wollen wir alle. Und genau das, in Frieden leben, ist es auch, weswegen die von Ihnen in infamer Weise beleidigten Menschen in Chemnitz zu Tausenden friedlich demonstrieren. In Frieden leben, ohne den inzwischen tagtäglich und in zunnehmendem Maße vorkommenden Messermorden, Vergewaltigungen, Raubüberfällen und sonstigen Gewalttaten Schutzsuchender schutzlos ausgeliefert zu sein. Und nebenbei – es ist auch Ihr persönlicher Frieden, für den diese Menschen auf die Straße gehen. Darüber diskutieren – gerne, auch eine andere Meinung haben, wenn es denn zur Lösung der Probleme beiträgt, die eine verantwortungslos agierende Regierung uns Bürgern aufgebürdet hat. Wer sollte/wollte sich einer derartigen Diskussion verweigern?
„Aber bei Gewalt und Hetze ist Schluß“
Sehr richtig, und das zweite gilt in besonderer Weise auch für Sie.  Indes – Sie prügeln den Sack statt des Esels. Noch einmal die Frage: Wer ist es, der Gewalt ausübt in diesem Land? Sind es die „friedlichen“ Messermörder oder die „gewaltexzessiven“ besorgten Bürger mit ihrem Straßenprotest? Und, wer ist es, der Hetze betreibt? Das, sehr geehrter Herr Desinger sind  Sie und Ihresgleichen. Sie sind es im Schulterschluß mit um ihr Mandat bangenden Politikern, die friedliche Bürger beschimpfen, sie als „Nazis“ und „Rechte“ stigmatisieren, als Ewiggestrige, als Abgehängte bezeichnen, ihnen Wahrnehmungsstörungen attestieren dort, wo das Offensichtliche unleugbar und klar auf der Hand liegt. Und Sie gehören zu den Tatsachenverdrehern! Ihr Artikel belegt das schonungslos. Sie und Ihre gleichgeschaltete Presse sind es, die mit ihren Un- und Halbwahrheiten die Gesellschaft spalten und die Menschen gegeneinander aufbringen. Ist es Ihnen überhaupt bewußt, was Sie damit anrichten? Oder, schlimmer, ist es Ihnen egal? In  §130 StGB heißt es:“Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören (…) gegen Teile der Bevölkerung (…) zum Haß aufstachelt (…) wird mit Freiheitsstrafe von (…) bis zu fünf Jahren bestraft.“
Das gilt auch für Journalisten.
Karl-Eugen Kaiser
PS: Der Text wird auf FB und weiteren digitalen Medien öffentlich gestellt