Steht Mario Draghi über dem Gesetz?

Monatliche Wirtschaftsprognose

von Claus Vogt

Claus Vogt ist seit November 2013 gemeinsam mit Roland Leuschel Chefredakteur des Börsenbriefs Krisensicher Investieren. Hier verfolgt der ausgewiesene Börsenkenner mit spitzer Feder das Marktgeschehen und unterstützt seine Leser mit fundierten Anlageempfehlungen. Weitere Informationen erhalten Sie auf krisensicherinvestieren.com.

Ende November trat der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, in Frankfurt vor die Mikrophone und versprach wieder einmal, Dinge zu tun, die ausdrücklich und aus gutem Grund verboten sind.

Im Kern sagte der Herr der europäischen Gelddruckmaschine, die EZB werde die Finanzmärkte bei Bedarf noch stärker manipulieren, als sie das bisher schon getan habe.

Sie werde weitere Wertpapierkäufe mit frisch gedrucktem Geld vornehmen und dabei auch Staatsanleihen berücksichtigen, also eindeutig verbotene Staatsfinanzierung mit der Gelddruckmaschine betreiben, und das alles „ohne unnötige Verzögerung“.

Natürlich verwendete Draghi nicht die von mir gewählten klaren Worte. Er wählte stattdessen die für moderne Zentralbankbürokraten typischen Euphemismen und Propagandahülsen.

An der Bedeutung seiner Worte ändert das aber selbstverständlich nichts. Ob Draghi das Warten auf die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs in der sich eigentlich gar nicht stellenden Frage der Unzulässigkeit dieser Anleihenkäufe als nötige oder unnötige Verzögerung beurteilt, ließ er offen.

Allerdings müssen wir wohl auch in diesem Punkt das Schlimmste von Draghi befürchten. Denn gemessen an seinen Worten und Taten ist dieser Mann ganz offensichtlich fest entschlossen, die Demokratie in Europa abzuschaffen und durch ein Zentralkomitee unter seiner Führung zu ersetzen.

Was genau geht hier vor? Wie ist es möglich, dass dieser Mann, der aus dem Dunstkreis von Goldman Sachs kommt, ungestraft dem Volk verkünden kann, dass die Gesetze für ihn nicht gelten? Ist Draghi der über dem Gesetz stehende oberste Feudalherr Europas? Der neue Napoleon? Womöglich Gott?

Tatsache ist, dass die Welt, in der wir leben, kaum noch als demokratisch bezeichnet werden kann. Denn eine kleine Gruppe von Zentralbankbürokraten, die nicht durch freie Wahlen an die Macht gekommen ist, hat eine der wichtigsten parlamentarischen Kompetenzen – die Macht, über das Geld der Untertanen zu verfügen – an sich gerissen. Damit bestimmt diese kleine Gruppe jetzt maßgeblich über Wohl und Wehe des Volkes.

Hinter verschlossenen Türen und ohne jeden öffentlichen Diskurs hat diese Gruppe irgendwann den Beschluss gefasst, Sparer, Rentner und den größten Teil der hart arbeitenden Bevölkerung mit ihrer Nullzinspolitik und deren Folgen massiv zu bestrafen und gleichzeitig den Marktwert von Anleihen und Aktien hemmungslos zu manipulieren.

Gewaltige Spekulationsblasen, massive Fehlinvestitionen und globale ökonomische Ungleichgewichte sind die Folge, deren Ausmaß allerdings erst nach dem Platzen der Blasen an den Aktien- und Anleihemärkten sichtbar werden wird.

Angeblich tun die Zentralbanker das, um auf diese Weise für Wirtschaftswachstum zu sorgen. Dabei gibt es gar keine ökonomische Theorie, die erklären könnte, wieso das funktionieren soll. Weshalb also machen die Draghis, Bernankes beziehungsweise Yellens und Kurodas dieser Welt das? Wem dienen sie tatsächlich?

Natürlich den Großbanken, deren Interessenvertreter Zentralbanken nun einmal sind. Nach mehreren Jahrzehnten beispielloser Schuldenmacherei im Rahmen  einer Symbiose zwischen Regierung, Banken und Versicherungen ist das Finanzsystem im Jahr 2008 am Ende der Fahnenstange angekommen. Die bestehende Schuldenlast kann unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr bedient werden. Es geht also darum, diese Wahrheit zu verschleiern und die Kosten einer Bankensanierung, die marktwirtschaftlichen Prinzipien hohnspricht, auf die Masse des Volkes abzuwälzen. Darum, und nur darum geht es. Zentralbanken sind keine Währungshüter. Zentralbanken sind Inflationsmacher. Es war mir stets ein großes Anliegen, diese wichtige Wahrheit ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Jetzt hat ausgerechnet Mario Draghi den Lügenschleier zur Seite gezogen, den das Zentralbankwesen so erfolgreich gewoben hat, indem er sagte: „Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“ Der Untertitel des von mir zusammen mit Roland Leuschel verfassten Buches „Das Greenspan Dossier“ lautete nicht von ungefähr: „Inflation um jeden Preis“.

ef Jan./Feb. 2015 53

Wirtschaft und Ethik

0 Gedanken zu „Steht Mario Draghi über dem Gesetz?

  1. Jürgen Herbert

    Das große Erschrecken, wann setzt es ein? Als älterer Mitbürger, kurz vor der Rente und natürlich auch mit privater Altersvorsorge stellt sich die Frage nach dem späterem Lebensunterhalt. Wo ist denn das Geld geblieben, bei den Fonds wurde man betrogen, bei den Rentenversicherungen wird die monatliche Rente mager. Man muss unter Berücksichtigung sämtlicher Abgaben ( Steuern) bis zum Alter von mindestens 86 Jahren warten, bis die derzeitige Kapital braucht ist, die Verzinsung bis dahin nicht mitgerechnet. Folge auszahlen und selbst verbrauchen. Angespartes wird nun durch ein Inflationsprogramm vernichtet. So läßßt sich das Szenario fortsetzen. Wie kann man es wagen Inflation als Programm aufzulegen, Draghi gehört in den Knast und die die ihm weiterhin die Stange halten, als Helfershelfer ebenso. Wo sind unsere Politiker, die uns seit Jahren eine private Altersvorsorge schmackhaft machten. Nirgends, alle sind ruhig, statt sich aufzulehnen und Ihre Wählerschaft zu schützen. Es gibt da den Begriff der Untreue, Leute sind deswegen verhaftet worden, aber hier passiert nichts. Kann man als Bürger schlimmer verarscht werden, wohl kaum. Das ganze hat System und wenn man die Vita Draghis liest, weis man auch warum. Seilschaften, Strippenzieher und ihre NGO’s, Geheimorganisationen wie Bilderberger und dessen diverse Ableger setzen Ihre Interessen zur Abschaffung bürgerlicher Rechte immer mehr durch, der Weg in die Diktatur hat schon volle Fahrt aufgenommen, oder kann hier einer die EZB im Draghiwahn stoppen. Und TTIP und weitere Ungeheuerlichkeiten sind auf dem Wege, ein Horrorszenario. Immer mehr nicht vom Volk legitimierte Einrichtungen geben den Takt an, müssen wir spuren? Oder gibt es noch einen Weg?

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